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Notwendige Änderungen an der Energiepolitik und Nachfolgenutzung des STEAG-Kraftwerks Voerde - Erweiterte Vorstandssitzung in Götterswickerhamm

Der Vorsitzende begrüßte in dem restlos gefüllten Café Restaurant zur Arche in Götterswickerhamm die sehr zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste. 

 

Besonders begrüßte er die Referenten des Abends:

Herrn Henning Aretz als Mitglied des Ernergieausschusses der Bundes MIT,

Herrn Peter Weiß als Abteilungsleiter Ernergieerzeugung  der STEAG GmbH,

Herrn Dirk Haarmann als Bürgermeister der Stadt Voerde.

 

Sodann führte der Vorsitzende in die Thematik des Abends ein. Infolge der Atomkatastrophe in Fukushima in 2011 hat die Bundesregierung die schrittweise Stilllegung der Atomkraftwerke bis 2022 beschlossen und zugleich den Ausbau regenerativer Energien wie Sonne, Wind und Biogas massiv gefördert, um den Einsatz fossiler Energien in der Stromproduktion drastisch einzuschränken. Infolgedessen wird nun am Standort Voerde das erste große Steinkohlekraftwerk mit rd. 2000 Megawatt stillgelegt. Die Stilllegung der 2 größeren Blöcke des RWE ist bereits von der Bundesnetzagentur genehmigt, die der kleineren STEAG Blöcke beantragt, aber Niemand zweifelt an dem Ende der Laufzeit in 2017.

 

Auslöser dieser Entwicklung ist das Erneuerbare Energiegesetz (EEG), für das Henning Aretz in seinem Beitrag dringend notwendigen Änderungen vortrug. Die vorrangige Einspeisung des Stroms aus erneuerbaren Energien mit 20 jährig garantierten Höchstpreisen aus der vom Stromverbraucher zu zahlenden EEG- Umlage könne so nicht weiter geführt werden. „Wir brauchen dringend eine Energiekostenwende“ so Aretz. Die Kosten für den deutschen Stromverbraucher summieren sich in 2017 auf 30 Mrd. €. Für die Förderung des Öko-Stroms wurde bereits jetzt mehr Geld ausgegeben als für die gesamte Steinkohleförderung seit 1956. Genehmigte Förderungen können nicht zurückgenommen werden, aber die weitere Förderung muss marktwirtschaftlich gestaltet werden. Ebenso muss die Befreiung energieintensiver Betriebe erhalten bleiben, da diese ansonsten kurzfristig schließen müssten.

 

Peter Weiß von der STEAG ergänzte die Aussagen zum EEG. Die Erlöse für die im Bedarfsfall zugeschalteten Steinkohle Kraftwerke decken in der Regel nicht die Brennstoffkosten, so dass nur noch die effizienteren neueren Steinkohlekraftwerke nennenswerte Beschäftigungsstunden erreichen und die älteren stillgelegt werden müssen. Öl- und Gaskraftwerke sind bereits heute wegen zu hoher Brennstoffkosten insgesamt unwirtschaftlich. Der gesamte Stromverbrauch in Deutschland beträgt rd. 80 Terrawattstunden und die insgesamt installierte Leistung erneuerbarer Energien, insbesondere aus Sonne und Wind, beläuft sich auf 88 Terrawatt. Das bedeutet: bei sonnigem und windreichem Wetter kommen fossile Kraftwerke nicht zum Einsatz, sie werden aber bei anderen Wetterverhältnissen dringend gebraucht. 2015 wurden nur rd. 30% des Stromverbrauchs aus erneuerbarer Energie erzeugt, 70 % aus anderen Kraftwerken. Bis 2050 soll dieser Anteil auf 20 % sinken.

 

Die STEAG hat vor der Stilllegung, so Weiß, weitreichende Optimierungsmaßnahmen durchgeführt. Dennoch konnte die Auslastung nicht einmal zu 50 % auf das Niveau von 2011 gebracht werden. Deswegen wurde von STEAG neben kleineren Blöcken im Ruhrgebiet und dem Saarland auch für die beiden Blöcke des KW West ½ in Voerde am 2.11.2016 die Stilllegung beantragt. Bei STEAG, die auch für die RWE Blöcke die Geschäftsbesorgung inne hat, sind  276 Mitarbeiter betroffen, für die sozialverträgliche Lösungen gefunden werden sollen.

 

Die weitere Behandlung der Kraftwerksanlagen nach der Stilllegung erfolgt in 3 Stufen:

  1. Trockenlegen, d.h. Beseitigung aller Betriebsflüssigkeiten und Brennstoffe,
  2. Rückbau aller verwertbaren Teile und
  3. Abriss. 

Alle 3 Stufen werden in aufwendigen Genehmigungsverfahren begleitet. Voraussichtlich kann nach 3 Jahren mit dem Abriss und konzeptionell mit der späteren Verwertung der Grundstücke begonnen werden. Die STEAG, so Herr Weiß, hat am Beispiel von 2 Kraftwerksstandorten in Dorsten und Marl gezeigt, wie eine gewerbliche oder industrielle Folgenutzung entwickelt werden kann. Das Beispiel zeigt, dass am Standort Voerde nach dem Abriss ein Mehrfaches der derzeitigen Arbeitsplätze angesiedelt werden können. Für die Entwicklung und Vermarktung müssen jedoch mindestens 10 Jahre kalkuliert werden.

 

Bürgermeister Dirk Haarmann forderte anschließend STEAG und RWE auf, den Rückbau der Kraftwerke forciert anzugehen. Es sei jedoch jetzt noch zu früh, über Folgenutzungen zu spekulieren. Das Genehmigungsverfahren für den neuen Bebauungsplan liege jedoch in der Hand der Stadt Voerde, so dass die Stadt einen wirksamen Hebel zur Gestaltung der Neuansiedlungen in der Hand hat.

 

Nach den Vorträgen entspann sich eine angeregte Diskussion, die deutlich machte, wie groß der Informationsbedarf um die Stilllegung der Kraftwerke geworden ist.

 

Der Vorsitzende wies abschließend daraufhin, dass diese Informationsveranstaltung durch die MIT Stadtverbände Dinslaken und Voerde organisiert wurde, die im Jahr 2017 fusionieren werden und verabschiedete die Teilnehmer mit besonderem Dank an die Referenten. 

 

Nachtrag: Die NRZ berichtete

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